1923

In der späteren Familiengeschichte der Matteis wird ein Bild immer wieder auftauchen, in Alben oder vergrößert und gerahmt an Wänden, eine Fotografie Karl Matteis als Ziegelträger vor einem gleichmäßig schwarzen Hintergrund. Karl steht gerade, mit breiten Schultern, hat die rechte Hand in die Hüfte gestemmt während die linke, geschützt von einem Lappen, ein dickes Holzbrett … Weiterlesen 1923

In der Zeit brennender Regenwälder

Heute bin ich wie immer gegen sieben Uhr aufgestanden, habe zwei Stunden geschrieben und dazu eine Tasse Tee getrunken. Ich habe die letzten Absätze einer Geschichte über einen absonderlichen Menschen mit dem drolligen Namen Strand geschrieben. Ab jetzt habe ich eine Schreibpause, weil ich im Augenblick außer diffusen Gedanken keine Idee für eine andere Geschichte … Weiterlesen In der Zeit brennender Regenwälder

1914

I Martha war neun Jahre alt, intelligent und klarsichtig und – ein „sperriges Kind“, wie ihre Mutter sich ausdrückte. Sie war zierlich, ihre alabasterfarbene Haut war dünn und elegant und ließ feine, zartrote Adern durchschimmern, sie hatte volle Lippen und eine gerade Nase, deren Nasenflügel jedoch in einem leichten Bogen hochgezogen waren, so dass man … Weiterlesen 1914

1904

I Hilla Kehl saß jeden Sonntag auf der Sünderbank, neben ihr der Fleisch gewordene Beweis ihrer Sündhaftigkeit: Karl Matei, geboren 1904, ohne Vater. Der war nur in Karls Träumen und Hillas Albträumen zugegen, ansonsten aber aus ihrem Leben verschwunden. Die Sünderbank stand in der Kirche des kleinen Dorfes Iversheide, das ganz und gar umschlossen war … Weiterlesen 1904

1896

Vieles flüsterten die beiden bösen Geister der Nacht und des Albtraumes in den kommenden Jahren den Menschen ein: Hetzschriften, Zeitungsartikel, Romane, Schimpfworte, Hass und Missgunst, Neid und Zorn und Angst, gedichtet und geschwollen, sachlich und verbindlich und zuweilen als Verordnung, Erlass oder Verfügung. So auch eines Tages dem großen Reichskanzler des Deutschen Volkes, genannt Chlodwig … Weiterlesen 1896

1813

Über Breslau wurde es dunkelhell, als die bösen Geister der Nacht und des Albtraumes sich auf der Brust eines wohlmeinenden Professors niederließen und ihm verführerische Worte ins Ohr einflüsterten. Auf dem von zwei Kerzen beleuchteten Tisch lag zwischen aufgeschlagenen Büchern und weinfleckigen Schreibbögen die „Schlesische privilegierte Zeitung“, überstreut von Tabakkrümeln und mit Datum vom 20. … Weiterlesen 1813

1788

Als ein Mann von beträchtlichem Ruf, hoch angesehen bei seinen Handelspartnern und anderen Händlern, sei er der einzige würdige Kandidat, die Ansichten der ehrbaren Sklavenhändler in London zu vertreten. So schickte die Stadt Liverpool den Schiffseigner und Sklavenhändler James Penny in die Hauptstadt. James Penny, der an Afrikas Küsten Menschen auf Schiffe verlud und nach … Weiterlesen 1788

Vorspiel auf der Erde

Ich bin der Hühnergott. Ich kenne meinen Vater nicht und auch nicht meine Mutter und bin doch von Eltern geboren. Ich bin blind und kann doch alles erkennen. Ich bin taub und kann doch alles hören, alle Geschichten, die die Erinnerung mir zuflüstert. Ich bin Hänsel, bin Gretel, bin nicht der Vater, nicht die Mutter, … Weiterlesen Vorspiel auf der Erde